Jörg Jansen - der junge, deutsche Meeresbiologe. Olsens Mann im Team.
Jörg saß in der Plicht. Seine schlanken, sonnengebräunten Beine – er hatte sie locker übereinander geschlagen – ruhten auf der schmalen Bordwand. Seine Rechte lag auf der gebogenen Pinne aus gebleichtem Eichenholz, jedoch ohne Druck auszuüben. Beide Segel – das Gaffel- und das Stagsegel – waren noch angeschlagen, hatten jedoch keinerlei Funktion, sondern schlugen nur träge hin und her, sobald sich der kleine Kutter in der sanften Dünung hob oder senkte.
Es war hell, sehr hell sogar. Die Sonne malte einen lichten Fleck in das milchige Hellblau, das sich ohne Begrenzung über ihm weitete. Wohin er auch seinen Kopf wandte – nach vorn oder achtern, nach Backbord oder nach Steuerbord – überall war er davon umgeben – von einem lichten, wattigen, milchigen Dunst: dem Seenebel.
Der Nebel hatte ihn überrascht. Jörg war zwar ein erfahrener Freizeitsegler, war von Kindesbeinen an mit dem Wasser vertraut, jedoch hatte er seine seglerischen Kenntnisse in erster Linie in den Revieren der dänischen Ostsee erworben. Und dort hatte er diese Art von Nebel bisher nicht kennengelernt. Warum das so war, wusste Jörg nicht. Er vermutete aber, dass dies mit den besonderen Bedingungen des Wattenmeeres zusammenhängen musste, in dem er sich jetzt mit seinem kleinen Kutter befand.
Jörg hatte die Tidenzeiten im Kopf und wusste, dass, sofern der Nebel andauern – und sein Boot aufliegen würde, er reichlich Zeit haben würde – viele, viele Stunden lang, bis an die Rückreise zu denken war. Und so geschah es. Das Meer wurde ruhiger, glatter und Jörg spürte, ohne dass er zunächst sagen konnte, woran er es merkte, dass sich der Wasserspiegel senkte.
Gleichzeitig wurde der Nebel dünner. Die Sonne gewann an Leuchtkraft und fraß den Dunst regelrecht in sich hinein. Die hellen Wände wurden lichter, durchsichtiger, lösten sich auf. Anfangs waren noch weiße Schwaden zu sehen, die sich in Schleier verwandelten, zusehens zarter wurden, um schließlich in einem Nichts aufzugehen.
Plötzlich empfand er auch die schwachen Stöße, als der Kiel des Kutters den Wattboden berührte und einige Zeit später aufsetzte. Verursacht durch eine leichte Dünung rollte das Boot zunächst noch einige Zeit von der einen auf die andere Seite und wieder zurück. Doch auch diese Bewegung hörte bald auf, als sich der Kutter entschloss, nun auf der Backbordseite endlich zur Ruhe zu kommen.