|
Die nicht seltene Begegnung mit Tümmlern und Delfinen auf den Fahrten hatte in ihr eine Begeisterung für diese herrlichen Geschöpfe entfacht, die sie sich selbst nicht so recht erklären konnte. Eine Begeisterung, die in ihr den sehnlichen Wunsch geweckt hatte, ihr berufliches Leben den großen Meeressäugern widmen zu können. Die Empfehlung einer ihrer Professoren, der ihre Begeisterung kannte und teilte, hatte es ihr schließlich ermöglicht, nach Abschluss ihres Studiums auf Grönland ihren Wunsch tatsächlich Wirklichkeit werden zu lassen.
Die Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse hatte später in Fachkreisen einiges Aufsehen erregt und ihr das Angebot einer bekannten US-amerikanischen Universität verschafft, ihr Walprojekt auf den Aleuten fortzusetzen.
Ja, und das mache ich nun also seit einigen Jahren, schloss sie ihren Bericht.
Jörg hatte ihr zugehört, Fragen gestellt, sich so voll und ganz auf das Gespräch konzentriert, dass er gar nicht bemerkte hatte, dass das Wetter sich anschickte, aufzuklaren.
Ina machte ihn darauf aufmerksam, zusammen gingen sie vor die Tür, setzten sich auf eine schmale hölzerne Bank vor dem Haus.
Und tatsächlich: Im Grau des Nebels zeigte sich ein lichter Bereich, eine Vorahnung der Sonne. Rasch nahm die Helligkeit zu, dehnte sich aus, verschlang das graue Einerlei.
Und dann, nur ein Viertelstündchen später, lag sie vor ihnen, die weite, herrliche Bucht strahlend und funkelnd im Sonnenlicht des späten Morgens. So, als wäre sie nie verschwunden gewesen.
Ina beobachtete die weite Wasserfläche.
Ich glaube, heute ist unser Tag, sagte sie, hier, nimm mein Glas, sieh selber und reichte ihm das starke Fernglas, das sie an sich genommen hatte, als sie das Haus verließen.
Jörg setzte das Glas vor die Augen, ließ seine Blicke über das glitzernde Wasser schweifen. Hin in die Richtung, die Ina ihm gewiesen hatte. Ja, und dann sah er sie auch: Kleine, funkelnde Fontänen, die wie Strahlen aus schräg gehaltenen Wasserschläuchen in der Ferne aus dem Meere emporsprangen.
Zwei, drei dieser Fontänen dann eine Zeitlang nichts dann wieder ein einzelner Strahl.
Ja, da sind sie, meine Pottwale, bestätigte Ina, ich wusste doch, dass sie heute kommen würden. Und damit hatte ich recht!, fügte sie mit freudig erregter Stimme hinzu, komm, machen wir uns fertig!
Ruhig, ohne Hast, nahmen sie ihr Vorhaben in Angriff. Ja, die Wale würden bleiben, auf sie warten, ja, da sei sie sich vollkommen sicher, sie kenne doch ihre grauen Freunde, hatte Ina ihm erklärt. Wie sie das nur wissen könne, hatte Jörg sich gefragt. Doch er vertraute ihr, ihrem Instinkt, ihrer jahrelangen Erfahrung.
|