Ina, Wissenschaftlerin, lebt
auf den Aleuten; arbeitet und taucht mit den Walen
Der neue Tag begann trüb und grau. Dichter Nebel füllte die Bucht und gab ihnen das Gefühl, allein zu sein – als einzige Menschen am Ende der Welt. Nichts, das darauf hinwies, dass dieser Tag im Leben Jörgs eine herausragende Bedeutung gewinnen sollte.
Sie waren früh aufgestanden, hatten gefrühstückt, von sich erzählt. Miteinander gelacht, gequatscht, so, als wären sie schon seit Jahren die engsten Freunde. Woher kam es denn nur, dieses Verständnis für einander? Lag es an ihren gemeinsamen Interessen? An ihrer Liebe zur Natur, zum Meer? An ihrem Sinn für das Einfache, Ursprüngliche? An der Übereinstimmung ihrer Gedanken? An ihrer gemeinsamen Sprache?
Ina stammte vom Lande, war auf dem Bauernhof ihrer Eltern aufgewachsen. Auf einem Hof am Meer, auf der Insel Fünen in Dänemark, nahe der Stadt Odense, dem Geburtsort von H. C. Andersen, dem Dichter der kleinen Meerjungfrau.
Ein Omen?
„Tiere waren von kleinauf an mein Umgang, meine Gefährten. Katzen, Hunde, Kühe, Timmy – mein Pony. Ich sprach zu ihnen, wie man zu guten Freunden spricht. Überzeugt davon, dass die Tiere mich verstanden. Und ich denke, das taten sie auch.“
Und dann die Ostsee, das Meer. Von Anbeginn an ihre heiße Liebe. Sie war mit ihm vertraut. Kannte seine Stimmungen, seine Launen, die guten und auch die anderen Tage. Wenn die See brauste, tobte, an der Steilküste nagte und dicke Brocken aus ihr herausbiss.
Wie Jörg, hatte auch sie alles getan, was man macht, wenn man am Wasser aufwächst – hatte geschwommen, ohne dass man es ihr groß beibringen musste, hatte gesegelt, gefischt, getaucht. Später, während ihrer Studienzeit in Kopenhagen, war sie Mitglied eines vornehmen Segelclubs geworden, eines Clubs, in den man – wenn überhaupt – nur mit Hilfe von Empfehlungen und nach langer Wartezeit aufgenommen werden konnte. Doch ihr seglerisches Können und ihre Fähigkeit, andere daran teilhaben zu lassen, hatte ihr den Posten einer Ausbilderin beschert – mit dem Vorteil, jederzeit die Vereinsboote nutzen zu können. Wochenlange Segeltörns während der Ferien waren für sie dann willkommene Gelegenheiten, mit Segelkameraden ein einfaches, naturnahes Leben zu führen und dabei weit abgelegene Ostsee-Regionen zu erkunden.